Klaus Hoffmann

Zuerst war da der Schauspieler. Berlin, Freie Volksbühne, »Equus« von Peter Shaffer. Ein Cafe »accu« in der Innenstadt, schwarzer Kaffee, belegte Brötchen. Klaus Hoffmann heißt noch Klaus-Dieter Hoffmann, Anfang zwanzig - skeptisch, neugierig, offen.
Er hatte Bammel vor der Rolle, Schiß vor den gestandenen Kollegen. Am Premierenabend war es für ihn wie im Kino seiner frühen Jahre - es ging um Tod oder Leben, um Sieg oder Niederlage. Klaus Hoffmann siegte. Vorsichtige Annäherung. Was will der Mensch mit dem Kugelschreiber und Schreibblock? Was schreibt der auf, was schreibt er nicht auf und schreibt es dann vielleicht doch? »Eigentlich finde ich so ein Interview Quatsch!« Abtasten. Wortfetzen. Halbe und ganze Sätze. Halbausgesprochenes. Dann plötzlich auch Standpunkte, Ansichten, trotzig, schüchtern, frech. »Manchmal trete ich auch in Clubs auf, so mit Gitarre und singe. Hab' gerade meine erste Platte gemacht. Das Cover-Photo ist scheußlich. Da sehe ich aus wie so ein Teenie-Liebling. Das mache ich nie wieder.«

Und die Lieder? Was singt er? »Lieder, die ich mag. Von Jacques Brel, aber auch eigene. Im Go-In zum Beispiel, spätabends. Mach' ich heute auch noch. Da bin ich ich.« Neugierde auf die Lieder. Noch mehr, als er schließlich von sich selber spricht, als der Kugelschreiber längst eingesteckt ist. Geschichten von Reiserouten gen Osten. Strecken, die vertraut sind. Ausbruch aus dem Mief der jungen Jahre, raus aus der Enge von Schulzeit und Lehre. Rein ins Leben. Oder was man dafür hielt. Ab auf die Straße - Griechenland, Türkei, Iran, Afghanistan. Das Leben - eine einzige Tramptour, eine einzige Wanderung durch die Welt, ins Blaue. Damals begann so etwas wie ein Gefühl von Nähe. Nicht zu dem Schauspieler, nicht zu dem Sänger, aber zu dem Menschen.

Klaus Hoffmann schert aus. Geht nicht den sicheren Erfolg zum Starruhm, tanzt nicht auf jeder Hochzeit, jeder Party, jedem Schnickschnack, jeder Fernsehserie. Er könnte jahrelang den problembeladenen Jungen spielen, Dutzende von Abziehbildern von Plenzdorfs Bühnenheld. Er wäre immer gut als jugendlicher Liebhaber älterer Damen zu besetzen. Austauschbar. Wenn er gerade nicht frei ist, ist es ein anderer. Und umgekehrt. Er zieht sich zurück. Schreibt, komponiert, reist, lebt. Holt Tträume nach, die zu erfüllen sind. Sucht sich und seine Identität. Spurensuche nach den Ruinen der verlorenen Unschuld.»Ich beschreibe in meinen Liedern nur meine eigenen Erfahrungen. Meine Schwierigkeiten, meine Entwicklungsprozesse. Ich weiß, daß sich die Leute angesprochen fühlen, wenn ich ganz ehrlich und ganz konsequent von mir selbst erzähle.« Seine Texte sind ungeschminkte Erfahrungsberichte. Fragen an sich und an die Umwelt, an das Miteinander, ans Warum nicht? Beobachtungen aus dem Blickwinkel eines Staunenden, Verwunderungen eines Ungläubigen.

Poesie und Gefühl, Witz und Nonsens, Spaß und Ungläubigkeit - noch immer, auch 15 Jahre später. Neben Tristesse aber auch Lebensfreude. Glück ohne Zweifel im Zweifel. Leichtigkeit auch im Problematischen. Leben als Komödie, Alltag als Tragigkomödie. Widerstand, Zweifel, aber Hoffnung. Trotz dennoch. Und jetzt erst recht.

Link zur Künstlerwebsite: www.klaus-hoffmann.com

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